Decaying Loops at the Temple of Dendur

Willkommen in der Zukunft. Die brillantesten Köpfe unserer Zeit verbringen ihre Tage damit, viralen Unsinn von Medium.com einzufangen. Eigentlich sollte die Seite das Bloggen wieder cool machen, gestartet vor acht Jahren, mit einem Designfokus: Texte reinkippen, glücklich sein. Dann kamen Produktideen und Verwirrungen, Journalist*innen wurden angestellt und rausgeworfen, mittlerweile pflastern Buttons und Popups den Screen, es gibt ein Paymodell (eigentlich gut) aber tonnenweise unverifizierten Content (uff).

Die wirklich interessanten Postings landen stattdessen auf Google Docs und in Google Slides. Das Coronavirus Tech Handbook und das Open Source Cookbook aus dem letzten Newsletter – oder

Eigentlich gibt es für solche kollaborativen Unternehmungen Wiki-Software – aber der Aufwand! Installieren, pflegen, stylen, ain’t nobody got time for that. Und die kostenlosen Wiki-Anbieter, don’t get me started. Und so schreiben wir auf der Google-Hardware mit dem Google-Browser in eine Google-Software, um sie später mit der Google-Suche zu finden.

Männer

  • Jutta Allmendinger über die Leopoldina: Empfehlung und Zusammensetzung passen nicht zur Breite der Bevölkerung. Die Männer über 60 hätten Frauen und Kinder übersehen: “Warum werden das familiäre Wohl und das Wohlergehen der Frauen eigentlich gar nicht adressiert? Wie soll das gehen, dass eine Frau und Mutter dann wieder teilerwerbstätig ist, und auf der anderen Seite Kindern unter neun Jahren keine Betreuung zukommt?”

  • Jana Hensel über Systemrelevanz: “Die Corona-Krise hat uns, als ein unbeabsichtigter Nebeneffekt freilich, gezeigt, wie sehr das Land noch immer von Männern dominiert wird, welche Nebenrollen Frauen in vielen Bereichen noch immer spielen. Oder dass sie dort, wo sie die Hauptlast einer solchen Krise tragen, erschreckend unterbezahlt sind. “

Medien

  • Ulrike Winkelmann und Barbara Junge leiten die taz: Glückwunsch!!

  • Schnelle Daten, pünktlich geliefert: RiffReporter über den Einsatz der Storymachine in der Coronakrise. “Die Republik redet jetzt über Lockerungen statt darüber, wie der Lockdown durchzuhalten ist. Es ist Laschet, Streeck und StoryMachine gelungen, in der politischen Themen- und Prioritätensetzung neue Fakten zu schaffen.”

  • Fritzfeed: Wer hinter der knalligen Rechtsseite steht, haben bento und Netzpolitik recherchiert. Plumper Versuch einer Viralschleuderkopie, optisch sechs Jahre, inhaltlich mindestens 75 Jahre zu spät.

  • Cool Mules: Ein Podcast über den Drogenring, der aus dem Vice-Office geführt wurde: “When Vice editor ‘Slava P’ reached out to young journalists with job offers, they thought it was about freelance writing. Instead, he asked them to smuggle nearly $20 million worth of cocaine into Australia.” (via Klingebeil)

  • Mailchimp kauft Printmagazin: Die Newsletter-Firma hat das sympathische britische Magazin Courier übernommen. Courier richtet sich an small-business owners und zeigt mit tollen Fotos neue Firmen und Produkte, wie Monocle ohne Golduhr und Rüstungsaufträge. Man bekommt Courier zum Beispiel im Berliner Magazinladen Do you read me?!, falls das bei der Einordnung hilft.

  • Welche Daten nutzt der SPIEGEL in der Coronakrise? Ich bin da befangen, aber die geschätzten Kollegen Marcel Pauly und Patrick Stotz erklären, welche Daten überhaupt existieren und was hergeben.

Decaying Loops at the Temple of Dendur

Was wird der Sound der Coronakrise? Wie werden wir uns daran einmal zurückerinnern? Treffen sich eines Tages die Musiker, die jetzt über Zoom spielen, im Konzertsaal? Oder starren wir einst in einem Biennale-Pavillon auf Datenvisualisierungen, zuckende Diagramme, aufflackernde Weltkarten, begleitet von elektronischem Knistern?

Für den 11. September gibt es William Basinski. Der macht, nun ja, spezielle Musik – knisternde Loops, hallende Fragmente, drone. Eines Tages, pleite und lost, findet er einen Karton mit Kassetten aus den frühen 80ern wieder. Die analogen Aufnahmen halten nicht ewig, also will er sie überspielen. Während die Kassetten laufen, löst sich das brüchige Magnetmaterial vom Plastik. Die Loops zerfallen. Erst ist er erschüttert, dann elektrisiert. Er nimmt diese Abnutzung, diesen Verfall auf, sechs Tage lang: “The most profound thing to me immediately was the redemptive nature of what had just transpired; the fact that the life and death of each of these melodies was captured in another medium and remembered.”

Am nächsten Morgen stürzt das World Trade Center ein, er kann es aus seinem Fenster in Brooklyn aus sehen. Eine Freundin filmt vom Dach aus, sie legen die zerfallende Musik drunter, das Stück landet später im Museum. Die “Disintegration Loops” veröffentlicht er nach und nach selbst. Pitchfork holt das Werk mit einer Rezension an die Oberfläche, feiert “an uncanny, affirming power. It's the kind of music that makes you believe there is a Heaven, and that this is what it must sound like.” Mehr und mehr Menschen interessieren sich für diese Musik.

Am zehnten Jahrestag spielt ein Orchester eine Interpretation der “Disintegration Loops” zum Gedenken an 9/11, im Metropolitan Museum of Art, in der großen Halle mit dem ägyptischen Tempel. Das Kunstwerk ist komplett: Decaying Loops at the Temple of Dendur.

🦠Coronatime

  • Über die vergewissernde Ästhetik von Cuomos Powerpoint-Slides: “His slides mix impersonal factual delivery with second-person exhortations, first-person declarations, and philosophical introspection. One slide reminds us: ‘Today is Saturday,’ with ‘Saturday’ emblazoned in gold.”

  • The Pre-pandemic Universe Was the Fiction: “Five hundred years ago, Copernicus re-centered the universe away from us, outward. The COVID-19 outbreak is a reminder: The world isn’t for us; we are part of it. We’re not the protagonists of this movie; there is no movie.” Der Autor Charles Yu im Atlantic.

  • want to exercise at home but too lazy to figure out a routine? i have solved ur problem by building a web app that randomly generates workouts w/ random pictures scraped from Google Images and random tracks from SoundCloud” @bcrypt

Extremely Internet

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Heinsberg Protokoll-Protokoll

Willkommen in der Zukunft. Nach den ersten Wochen der Unübersichtlichkeit – soll man jetzt diese 23 Marvel-Quatschfilme gucken? Nähen lernen? Doch beim Sauerteig bleiben? – zeichnen sich die nächsten Schritte ab. Google und Apple werden unsere physischen Kontakte maschinenlesbar machen. Wir beschreiten die augmented society noch vor dem nächsten Treffen des Ethikrats.

Gruselten wir uns gerade vor dem social credit score in China, muss es jetzt schnell gehen. Dürfen wir noch in eine U-Bahn steigen, wenn wir in den vergangenen zwei Wochen zu viele Kontakte hatten? Sind wir verdächtig, wenn die Kontaktzahl zu gering ausfällt, wir unser Handy zu Hause lassen? Wer schreibt das Betriebssystem, wer kontrolliert die Big-Data-Lakes der augmented society? Liegt der Impfpass schon in der Blockchain?

Und wenn dann ein Impfstoff existiert, schaffen wir den Downgrade – oder bleibt die Technologie scharf geschaltet? Seit Jahren werden schließlich tonnenweise Konzepte erstellt, wie smart citizens in smart cities ihren wohlregulierten Tätigkeiten nachgehen. Mit allen Folgen für diejenigen, die keine citizens sein dürfen oder wollen.

Womit wir zu Grenzen kommen: Schon der Übertritt in ein anderes Bundesland löst gerade Polizeieinsätze aus. Selbst ein gerade noch mächtiger Pass garantiert keine Bewegungsfreiheit mehr. Corona ließe sich als Gleichmacher deuten – wenn es nicht so bitter wäre, die Einzelgänge von Staaten, die weitere Abschottung Europas, aufkeimender Fremdenhass. Es ist jeden Versuch wert, dem auch mit Technik zu begegnen.

Früher, als Menschen in Höhlen lebten, ist über tausende Jahre einfach nichts groß passiert. Jetzt liegen wir nachts wach, weil wir sonst am nächsten Morgen die Welt nicht wiederkennen.

Zu den Links! Mit 90er-Hiphop aus New York, den heute auch mittelalte Männer im mittleren Westen hören.

🦠Coronatime

  • The Coronavirus Tech Handbook is a crowd-sourced library for technologists, civic organizations, public and private institutions, researchers, and specialists of all kinds working on responses to the pandemic. It is a rapidly evolving resource with thousands of expert contributors.

  • Open source recipes to be used in quarantine during a global pandemic: Klingt nicht sexy, ist aber kein graues Wiki, sondern ein stylishes Google-Doc (es gibt auch eine weirde Intro-Seite).

  • The Life and Death Shift: Der italienische Fotograf Andrea Frazzetta zeigt die Heldinnen und Helden in Italien.

  • Welcome (Back) to the Appointment Internet: “A lot of people are being deliberate and aggressive about engaging in afterwork activities that stand in for actually socializing. Musicians and comedians are performing live on Instagram. Cinephiles are syncing up their Netflix sessions and hopping into a chatroom. Happy hours now happen over teleconference apps like Zoom…”

  • Friseurberatung as a service: Wer sich die Haare nicht gleich abrasiert oder jemanden kennt, der jemanden kennt, der Hausbesuche macht, kann sich hier für 18 Dollar Videochat-Beratung für den Selbsthaarschnitt buchen.

Schon wieder ein Posting auf Medium.com, das gar nicht mal so gut ist

Medien

  • Der Dünnbartbohrer: Gabor Steingart meint heute das Gegenteil von gestern, was amüsant sein kann, oder in der Coronakrise ärgerlich, wie Christian Y. Schmidt im Neuen Deutschland schreibt.

  • Podcast-Effekt in Deutschland: Mehr Zugriffe, mehr Episoden, mehr Podcasts, so die Zahlen von Podigee. Für kleinere Einbrüche in einzelnen Kategorien erklärt Podigee so: Einige Kategorien leben von großen Blockbustern, wenn der eine Podcast die vergangenen zwei Wochen nicht erschienen ist, sind die Abrufzahlen in einer Kategorie halt auch mal etwas geringer (Ich würde vermuten, sie meinen Zeit Verbrechen und True Crime).

  • The Virus Changed the Way We Internet: Mehr, mehr, mehr.

  • Meet Your Meme Lords: A small team at the Library of Congress is archiving internet culture as fast as it can (now, from home).

  • Über Quibi, den neuen Streamingdienst mit Hochkant- und Vertikalvideos: “It’s a medium for filling space that you probably already had filled with something else, but for some reason, you got it in your head that you should be finishing something in that time. It exists in a nebulous space between the steady dopamine rush of TikTok’s constant supply of novelty and the chill, lackadaisical time-sink of Twitch?”

  • Simping is king shit: Porträt der 22-jährigen Neekolul, die eigentlich Nicole heißt und mit einem kurzen Video zum Meme geworden ist, in dem sie im Bernie-Sanders-Shirt “Ok, boomer” singt.

  • The Most-Watched Show in America Is a Moral Failure: Nicht der Take, den wir uns gewünscht haben, aber den, den wir brauchen. (via @caitlindewey)

  • Muss ich Tiger King gesehen haben? Crème de la Meme – Der Meme-Podcast findet die Serie auch nicht so prall. Sehen möchte man sie danach natürlich trotzdem.

Heinsberg Protokoll-Protokoll

Donnerstag, 9. April: Das Zwischenergebnis einer Studie wird vorschnell veröffentlicht – womöglich, weil der Geldgeber, das Land NRW, und damit Ministerpräsident Laschet, der gerne Kanzler werden möchte, Stimmung produzieren wollen für eine Lockerung des Lockdowns. Die Bild stürzt sich auf die Zwischenergebnisse – obgleich Streeck, der Studienleiter, sagt, die Ergebnisse aus Heinsberg ließen sich nicht einfach auf Deutschland übertragen. Der Virologe der Herzen, Drosten, stellt außerdem Fragen zu den Methoden – welche Tests für Antikörper wurden genau verwendet? Woraus taz und Bild schnell einen Virologen-Streit zimmern.

Und dann ist da noch Storymachine, die Social-Media-Agentur von Diekmann, Jessen, Mronz, die lieber nicht über Kunden sprechen, diesmal aber doch. Sie begleiten die Studie mit ihrem Geschichtenapparat “journalistisch”, angeblich mit zehn Mitarbeitern, auf Deutsch und Englisch, Sharepics ballern, Fragen ausweichen, Hashtag-Feuerwerk. Bezahlt von ungenannten “Partnern”, aber nicht vom Land NRW.

Zeit, Süddeutsche und Spiegel berichten über Kritik an der Studie, die überhastete Vorstellung – und über die PR von Storymachine. Meedia lässt Jessen ein paar Werbebotschaften in die Tastatur hacken. Klar greift auch der rechte Rand nach der Aufmerksamkeit. So vertwittert Compact eine eigene Zusammenfassung: “Die Feldforschung des Virologen @hendrikstreeck in #Gangelt im Kreis #Heinsberg bringt die Theorien der Corona-Hysteriker ins Wanken und stützt die Position der Skeptiker.”

Es ist Tag drei nach der Pressekonferenz. Die Storymachine läuft.

Extremely Internet

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Gigantische Reichweiten

Willkommen in der Zukunft! Vor drei Jahren, am 18. April 2017, erhielt das weltweite Standard-Gremium für Textzeichen, Unicode, einen Vorschlag: Wie wäre es mit einem Emoji für Mikroben, also alles zwischen Bakterie, Hefepilz und Virus? Der Vorschlag war Teil eines größeren Pushes für mehr wissenschaftliche Emojis, darunter auch DNA und Erlenmeyerkolben, vorangetrieben von Forschern und mit Hilfe von Emoji-Aktivistin Jennifer 8. Lee. Deswegen gibt es heute die Emoji-Mikrobe.

Nun setzt das Unicode-Konsortium zwar einen Standard fest, wie genau das Emoji aussieht, entscheidet aber jeder Anbieter für sich. Designer bei Google, Facebook, Samsung, Microsoft und so weiter zeichnen ihre eigenen Varianten. Manchmal sind die Unterschiede nur gering. Dann wieder entschied Apple, statt einer todbringen Pistole lieber eine bunte Wasserspritze zu zeigen. Die Mikrobe sieht bei Apple so aus:

Und nur bei Apple, die anderen Anbieter zeigen eine längliche Gurke mit Haaren, stellvertretend für alles superkleine Gewese. Was sich streng genommen gar nicht einfach zusammenfassen lässt, vor allem die Viren passen nicht recht zu den größeren Zellen. Google versammelt für sein Emoji unterschiedliche Mikroben:

Apples eigenwilliger, spaciger Mikroorganismus hatte nicht nur Fans. Eine Virologin bekümmerte damals, das grüne Emoji “just doesn't look like any of the viruses that any of us work on.“ Sie wünschte sich eher einen Ikosaeder, eine geometrische Form, die nach einem vielseitigen Würfel aussieht. Nicht nach einem Blob mit Nupfen.

Auftritt neuartiges Coronavirus, wie es sich die CDC-Forscher vorstellen:

Well, hello there. Das Mikroben-Emoji sieht aus wie ein Virus!

Es folgen Links. Man könnte dazu “Empty” hören, das neue Album von Nils Frahm, wenn man so etwas mag. Oder Young Lean auf YouTube droppen. Oder den sir Was Remix von Bloodflow auf Dauerschleife stellen. Was auch möglich ist: Den Newsletter an Freunde und Bekannte schicken, die in dieser Zeit™ etwas Internet gebrauchen können. Als kleine Empfehlung. Danke!

Gigantische Reichweiten

🦠 It’s Coronatime

  • The pandemic is a portal: Arundhati Roy in der Financial Times. “And even while the virus proliferates, who could not be thrilled by the swell of birdsong in cities, peacocks dancing at traffic crossings and the silence in the skies?” Und dann eine brutale Erzählung der Coronakrise in Indien, einem Land tiefster Spaltungen und ökonomischer Krise, in dem Krankenhäuser schon so überfordert sind. “And in the midst of this terrible despair, it offers us a chance to rethink the doomsday machine we have built for ourselves. Nothing could be worse than a return to normality.”

  • The impossible has already happened: Rebecca Solnit im Guardian über die Coronakrise, ihre Hoffnungen und wie sich die Welt schon jetzt verändert hat. “I often think of these times as akin to a spring thaw: it’s as if the pack ice has broken up, the water starts flowing again and boats can move through places they could not during winter. The ice was the arrangement of power relations that we call the status quo – it seems to be stable, and those who benefit from it often insist that it’s unchangeable. Then it changes fast and dramatically, and that can be exhilarating, terrifying, or both.”

  • Tips From Someone With Nearly 50 Years Of Social Distancing Experience: Von dieser Sorte Text gibt es gerade jede Menge. Astronauten, Polarforscher, you name it. Was diesen hier hervorhebt, sind seine sehr konkreten, interessanten Tipps. “We're all social distancing these days, and it's unclear when exactly that will end. But Billy Barr has been doing this for almost 50 years. He's the only full-time resident of Gothic, Colorado.”

  • Bored Solutions: A place to find ideas of things to learn, make & do while self-isolating.

  • The semiotics of face masks: “This is generally a hard sell in the world of the Marlboro Man, bespoke disposable water bottles and the Hummer.”

  • New Couple Gets Quarantined: Mini-Episoden auf Instagram von Taylor “Quarter-Life Crisis” Tomlinson.

  • Aufnäher (empfohlen von William Gibson): Operation Enduring Clusterfuck - Covid-19

📺 SEHEN

  • “Rams” von Gary Hustwit: Die Doku über Braun-Designer und Apple-Vorbild Dieter Rams steht eine Woche frei im Netz.

  • “Community” ist auf Netflix: Falls jemand eine sehr lustige, etwas weirde und liebevolle Serie sucht – hier ist sie. So in Richtung “Brooklyn Nine-Nine” ohne Polizei, dafür im Community College. Ausgedacht hat sich das Dan Harmon, der dann später “Rick and Morty” gemacht hat. (Die vierte Staffel “Community” war er aber im Streit raus, die fünfte war dann um so besser.)

  • Why “Battlestar Galactica” is the perfect quarantine marathon: Von Vox wird das Serienremake von 2003 gerade wahnsinnig abgefeiert. Militär-SciFi, 20 Episoden per Staffel, insgesamt 76 Episoden, Aliens stellen den letzten überlebenden Menschen nach, die müssen sich gefälligst zusammenreißen und nebenbei eine gewisse Restfreundlichkeit bewahren.

“K” wie Kunst

  • Sourdough Dead drops: Dead drops sind Verstecke, die von Spionen zur geheimen Übergabe genutzt werden. Zuletzt hieß so auch eine Kunstbewegung, bei der, weniger geheim, USB-Sticks in Mauerwerk eingelassenen wurden, zum anonymen Austausch von Dateien. Jetzt also: Sauerteig an Straßenlampen, zunächst in San Francisco.

  • Piero Pirupa - Braindead (Heroin Kills) (Musikvideo)

  • Vieräugige Toilette: Stanford-Forscher stellen eine Konzept-Toilette mit vier Kameras vor, die Ausscheidungen exakt untersuchen soll. Und Nutzer*innen am Arsch erkennt. (Nein, nicht am 1. April erschienen.)

  • Surprisingly This Rather Works: Ausstellung von Manuel Rossner in der König Galerie – bzw. eine App zum Erleben von interaktiver Architektur.

Nach Podcast das nächste große Ding

  • Why make a video game? Robin Sloan hat nicht nur die sehr guten Bücher “Mr. Penumbra's 24-Hour Bookstore” und “Sourdough” geschrieben, die beide im Silicon Valley spielen. Er produziert nicht nur sehr fettig-goldenes Olivenöl. Er schreibt nicht nur Newsletter. Er baut jetzt auch ein Videogame. Vor allem schreibt er es, nutzt Games als Medium, eine Geschichte zu erzählen. Aber er schraubt es auch selbst zusammen, für Browser, mit Grafiken, und wir können zuschauen. “I think video games must certainly be the 21st-century incarnation of Wagner’s Gesamtkunstwerk.” Auch steckt hier die Idee des Universalgelehrten drin, der alles kann - eine Person kann ein Spiel bauen, es braucht nicht große und gigantisch große Teams mit Hollywood-Budget. Game on!

  • Open source, experimental, and tiny tools roundup: “This is a list of smaller tools that might be useful in building your game/website/interactive project. Although I’ve mostly also included the ‘standards’, this list has a focus on artful tools & toys that are as fun to use as they are functional.”

💙 I love you, Twitter

  • “Remember that you're a part of one of the biggest global efforts in history. And it's working.” @2600

  • “All the stupid shit I’ve done in my life does not compare to the fact that in 1986, my then 22-year-old father and 3 of his friends built a raft out of bamboo sticks and empty oil drums and sailed the Ganga from Patna to Calcutta” @ivadixit

  • Hot Take: “sourdough is wasteful and difficult and it's very silly to try your hand at it for the first time in a pandemic when there's barely any flour on the shelves
    this is my lukewarm & scoldy take” @hellocvh

  • Hotter Take: “not only has this essay been written a trillion times, it's wrong! animal crossing isn't comforting or escapist, you literally do chores and gig work and despoil pristine islands all day to dig yourself out a quicksand pit of piling debt! it's a simulation of hell” @samfbiddle

  • “an A to Z of #lockdownlols” von @davidlevin123

  • “The evolution of the NYT cooking newsletter” von @katie_honan:

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Hello from Corona life

Willkommen in der Zukunft! Die Welt vor unserer Haustür ist Gefahrengebiet. Also backen wir mit 4500 altem Sauerteig, treffen uns auf Zoom zum Hintergrundbilder-bewundern, spielen “Animal Crossing: New Horizons” auf der Nintendo Switch, gucken “Tiger King” auf Netflix, hören jeden Abend Igor Levit am Klavier zu und verbringen sehr viel Zeit im Internet. Zum Beispiel mit diesen Links!

Musik dieses Mal nur mit Kopfhörern: Resynthesis (3D Binaural Audio) by Max Cooper and Kevin McGloughlin [Headphones Only].

Corona business

  • Springtime for Introverts: Warum die Kontaktsperre einigen Menschen viel abverlangt, andere hingegen nur wenig einschränkt, erklärt Andrew Ferguson: “When newscasters tell Americans that we are entering a ‘strange new way of life’ or a ‘new normal,’ or moving into ‘unfamiliar territory,’ I know they’re not talking to me. I and millions like me have been trying to self-isolate for years.”

  • Stop Trying to Be Productive: Taylor Lorenz über den Drang einiger amerikanischer Millennials, jetzt richtig viel wegzuschaffen – und warum das nicht funktioniert.

  • How will coronavirus change the world? “It’s not just the size and speed of what is happening that’s dizzying. It’s the fact that we have grown accustomed to hearing that democracies are incapable of making big moves like this quickly, or at all. But here we are”, schreibt Peter C Baker im Guardian und fragt sich, warum nach der Finanzkrise kaum etwas passiert ist – und was diesmal anders sein könnte.

  • German Engineering: Die richtigen Masken sind schwer herzustellen, weil dafür mehrere Millionen teure Maschinen, Meltblowanlagen, ein leichtes, gerade noch durchlässiges Gewebe zaubern müssen. Einer der führenden Hersteller ist eine Firma aus Nordrhein-Westfalen. NPR berichtet über die Masken-Versorgungskette.

  • New Balance is making hypebeast-grade masks: 100k stylishe Masken für Krankenhaus-Personal pro Woche. (Das größte Krankenhaus in New York braucht 70k Masken am Tag, also nicht gleich auslachen, jede Anstrengung hilft.)

  • Smarte Fieberthermometer: Musste ja so kommen: Ins Internet funkende Thermometer sollen helfen, Corona-Ausbrüche zu erkennen. Schwierig.

  • Aircraft Meteorological Data Relay: Verkehrsflugzeuge sammeln auf ihre Routen routinemäßig Daten für die Vorhersage von Wetter. Oder aktuell eben auch nicht, was zu einer Datenlücke und schlechteren Vorhersagen führt.

  • The Spiky Blob Seen Around the World: How C.D.C. medical illustrators created the coronavirus pandemic’s most iconic image. Wie das Virus gebranded wurde.

Corona life

Insane baking

  • The Ultimate Homemade Sourdough Bread: Eine YouTube-Anleitung von Joshua Weissman, vom Starter züchten bis zum ersten Brot. Auch nicht anders als im zu Recht viel gelobten Buch “Flour Water Salt Yeast”. Das Video verhält sich als kostenloser Teaser zum Buch. Was man zu Hause unbedingt braucht, ist nicht viel: Einen gußeisernen Topf, der in den Backofen kann.

  • Ancient Egyptian Baking: Man kann alten, getrocknete Sauerteig-Starter, also Hefe und Bakterien, aus alten Tontöpfen kratzen und wieder zum Leben erwecken. Und mit “alt” sind hier rund 4500 Jahre gemeint.

  • Infectious zest for life: So überschreibt der Guardian seine Rezension des Buchs “Sourdough” von Robin Sloan, der literarischen Verarbeitung des Sauerteig-Hipsterhobbys, inklusive Startup-Kultur in San Francisco. Fall jemand gerade Zeit hat.

The Future

  • Siri, show me the best idea to destroy cities: Wenn das eigene Auto der letzte safe space ist. Social Distancing, bevor es cool wurde. Ein Blick in die Zukunft ohne Impfstoffe.

  • What's up with Russia's internet: Eine rührende Geschichte des russischen Internets von Vicki Boykis. Also gegen Ende, wenn es um die Zukunft geht, wird es dark und autoritär und die Paket-Grenzen werden hochgezogen, ein bisschen wie die Corona-Welt. Aber wie ursprünglich lustige Hippie-Unternehmer Videoverbindungen und dann das Internet nach Russland brachten, ist ganz liebenswert und hoffnungsvoll.

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Merkelwave und Freitagslinks

This is not a sprint—it's a marathon.

Willkommen in der Zukunft. “This is not a sprint—it's a marathon”, schreibt New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo. Um dem ganzen Wahnsinn kurz zu entkommen, ist unsere Laufcrew am Mittwochabend durch die Stadt gezogen. Weil wir natürlich gerade nicht gemeinsam unterwegs sind, haben wir jede und jeder für sich mit unseren GPS-Uhren Buchstaben geschrieben und danach auf Zoom angestoßen. Ohne Internet wäre einfach alles noch viel furchtbarer. Also, auf ins Web!

Musik von YouTube: lo fi merkelwave beats to relax/get nothing done to.“Das goldene meme Zeitalter wird uns aus der post Corona Wirtschaftskrise heben, dieser Mix ist der erste Schritt.”

Extremely online

Nerdig bis nützlich

  • Camouflage against the machines: “In this project, we adversarially trained an AI model to generate specific patterns inducing AI to misrecognize, then created a camouflage garment using the pattern.”

  • Naming is hard: Falls noch jemand einen Namen für ein Start-up braucht, für das W-Lan oder den Kühlschrank, hier gibt es jede Menge Ressourcen. (Nebenbei eines der schönsten Menüs im Web.)

  • Fake Shack Burger: Ein Rezept mit Geschichte auf Smitten Kitchen: “Can I pause for a moment? I’m getting verklempt, guys… I had a moment and that moment was a realization that I didn’t dislike burgers I disliked those monstrous things that were all the rage a few years ago. This burger was totally different — thin, unevenly shaped craggy-edged with crispy salty bits and it sat on a tender toasted bun with a perfect sauce, thinly sliced pickles, tomatoes, a ruffle of lettuce and yet wasn’t too tall to eat a bite of without unhinging my jaw like a snake that swallowed a goat (…). It wasn’t so massive that I had to take a nap when I was done, it was my first smash-style burger and it was everything.”

“Sehr viel Zeit vor verschiedenen Geräten”

  • SXSW 2020 Official Short Film Selections: Das Festival fiel aus, die Kurzfilme stehen im Netz. So viele tolle Ideen, und dann auch Quatsch. Und wer sich nicht entscheiden kann: Eine Shuffle-Funktion gibt’s auch.

  • “Ozark” Season 3 auf Netflix: Die Serien kommen zurück. “Westworld”, “Billions” … und eben “Ozark”, eine Gangstergeschichte in den Sümpfen von Missouri. Toller Ort, toller Jason Bateman, tolle Serie.

  • Escape Room in Google Docs: Ich bin wirklich kein Freund von Escape Rooms. Wobei, so online und alleine geht es schon fast wieder.

  • Hacking: paddlesteamer beschreibt, wie er mehr über seinen Router herausfindet. Also den grauen Kasten von Huawei, den der Provider Turkcell ihm hingestellt hat. Die drei Teile “Taking Back What Is Already Yours” lesen sich wie ein Krimi. Nur spannender.

  • STS-135: Einfach nur ein Video, das die Crew des letzten Shuttle-Launches 2011 beim Start im Cockpit zeigt. Und der Funkverkehr dazu. 42 Minuten lang.

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