Keeping Up with Kultur

Telegram-Gruppen, Discord-Server, Facebook-Fangruppen von Influencern, Instagram-Boards, Newsletter, Podcasts — wie Taylor Lorenz von der New York Times das aufregende Online-Leben der nachwachsenden Generationen beobachtet und es schafft, so Geschichten wie “‘OK Boomer’ Marks the End of Friendly Generational Relations” rauszuhauen.

One thing I never, ever do is start with the premise “What are young people doing?” I always start with an interesting user behavior, or trend, or meme I see emerging, and look at why it’s being expressed in a certain way or how it evolved.

This Is Not About How Young People Use Tech

THEFUTURE ist ein Newsletter von Ole Reißmann. Es geht um das Internet, Medien und die Zukunft. Es geht um alles.

Out of the bluesky

Twitter war einst fast offener Standard, ein Protokoll für das Echtzeit-Web. Drumherum konnten Entwickler Apps zimmern, Bots scharfstellen und ihren Shenanigans fröhnen. Dann verlagerte Twitter sein Modell in Richtung zentralisierte, geschlossene Plattform und Schluss war mit Lustig.

Jetzt denkt Twitter-Chef Jack Dorsey offenbar sehnsuchtsvoll an diese Zeit zurück, als man cooler Ermöglicher war, nicht skrupelloser Plattformboss mit Löschpflichten. Verdenken kann man es ihm nicht: Moderation nervt, Regulierung droht, Like-Mobs drücken die Stimmung, die Aufmerksamkeits-Algorithmen befeuern Trump.

Weil Twitter also kein zweites Facebook werden will und die Serie “Silicon Valley” mit PiperNet eine gute Idee vorgelegt hat, ruft Dorsey @bluesky aus, ein kleines Team mit großer Mission:

We’d expect this team not only to develop a decentralized standard for social media, but to also build open community around it, inclusive of companies & organizations, researchers, civil society leaders, all who are thinking deeply about the consequences, positive and negative.

Twitter, so die Vision, könnte irgendwann ein Client für dieses neue, schöne, dezentrale Internet sein. Also mal wieder gesellschaftliche Folgen von Technologie mit noch mehr Technologie lösen.

Hier ist der Twitter-Thread von Jack Dorsey

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S̶o̶c̶i̶a̶l̶ Democratic Media

Was kommt nach Facebook? Dieser Frage geht Annalee Newitz in der New York Times nach, die Autorin des vielgelobten Biotech-Buchs “Autonomous”. Sie sucht nicht das nächste WeChat oder TikTok, sondern fragt nach der nächsten Kategorie: Wenn wir soziale Medien neu denken, wie würden sie aussehen – wie das Gegenteil von hyperschnellen Viralschleudern?

We may need to slow down, but we’ve created democracies out of chaos before. We can do it again.

Susanne Lang hat mich für kress pro über meinen neuen Job befragt: Ole Reißmann über die neue Aufbruchstimmung beim Spiegel

🤖 Ein Bookmarklet, um sticky header auf Webseiten zu killen.

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Mittelschichtler, die recyceln

Plastiktüten meiden, öfter mal die Bahn nehmen — damit pflegt man sein Gewissen, aber nicht das Klima. Nimmt man zu dieser Gewissheit noch das enttäuschte Vertrauen in Wohnungsmarkt und Altersvorsorge, landet man bei Systemfragen und zum Beispiel bei der Ökonomin Grace Blakeley. Die sagt im Freitag:

Im Grunde geht es um die Schwächung des Finanzkapitals auf der einen und um die Stärkung des Faktors Arbeit auf der anderen Seite, bis die Vergesellschaftung des größten Teils der Produktionsmittel vorstellbar wird.

Das ist der Sound von Kevin Kühnert (“Ohne Kollektivierung ist eine Überwindung des Kapitalismus nicht denkbar”) oder Selina Kyle (“You're all gonna wonder how you ever thought you could live so large and leave so little for the rest of us”).

Auftritt Elon Musk und sein “Cybertruck”, ein Klotz von SUV aus kalt gewalztem Edelstahl, ein “Kleinlastwagen als Ausdruck autarker Lebensführung, in die sich weder staatliche Stellen noch verbildete, großstädtische Linksliberale einzumischen haben”. In der Zeit hofft man irgendwie noch, die Cybertrucker könnten sich ja in den Weltraum aufmachen, wenn es eigentlich nur um Aufrüstung geht. Die einen träumen vom Sozialismus. Die anderen kaufen Panzer.

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Impress the boss

Die New York Times braucht einen neuen Chefredakteur. Dean Baquet muss spätestens im September 2022 in den Ruhestand, bevor er 66 Jahre alt wird. So will es der Brauch. BuzzFeed-Chefredakteur Ben Smith beschreibt, wer sich jetzt schon ins Rennen um die Gunst von Verleger A.G. Sulzberger wirft.

I’m probably a bit of an odd person to be writing this piece, as the editor of a rival newsroom who is often jealous of the attention the Times gets for every punctuation mark. I know, in varying degrees, the candidates, and admire them all; I sympathize more than most with their various episodes of lighting themselves on fire. But the Times is also, now, a kind of Vatican of American journalism, and its direction will affect everyone else — so the internal choice is, sort of like the Democratic primary, of interest even to independents.

Min-des-tens. Neben bei erfährt man Allerlei aus dem Innenleben der großen, mächtigen, wichtigen New York Times, der dieser Tage so ziemlich alles zu glücken scheint: Journalismus, Produkte, Paywall, bisweilen sogar… Coolness?! Unter anderem über die Opinion-Seiten, auf denen mittlerweile eine ausführlichere Tech-Berichterstattung als im Tech-Ressort stattfindet. Das erinnert ein wenig an die FAZ-Fürstentümer und ist geradezu tröstlich: Auch die Times kämpft mit Organisation und Struktur. Das allerdings erfolgreich.

Und wie großartig ist dieses Opinion-Video bitte?

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